So funktioniert Manipulation in den Medien

Es ist traurig, wie willfährig sich die sogenannte „freie Presse“ vor den Propaganda-Karren spannen lässt. Sicher empfängt die Presse nicht direkte Anweisungen von Think Tanks im Dienste irgendwelcher Finsterlinge hinter den Kulissen, in welchem Licht etwas darzustellen ist. Die Wege werden weitaus subtiler sein.

Ich nehme mal an, die Dummheit des gemeinen Schreiberlings, der Mangel an Berufsethos und Verantwortungsgefühl von deren Vorgesetzten und die Profitgier der Verlage, denen Auflage wichtiger ist als guter Journalismus dafür sorgt, dass die Medien so empfänglich für Manipulation bzw. manipulative Berichterstattung sind.

Am Ende führt es dazu, dass in einem Artikel über Thema A (Bericht über ein Tatsache, an der nicht viel zu rütteln ist) der Kontext zu Thema B hergestellt wird (auch eine Tatsache, die aber nicht unmittelbar mit der Sache zu tun hat, aber durch die gemeinsame Nennung einen Zusammenhang suggeriert), die von Thema C (das gar nicht genannt wird) ablenkt. Wenn der Nachrichtenkonsument (in einer anderen Funktion auch als Wahlvieh bekannt) den Artikel gelesen hat, bleibt in seinem trägen Hirn der Zusammenhang von A und B hängen, während C in seiner Erinnerung verblasst. Wenn er oft genug entsprechender Berichterstattung ausgesetzt ist, nimmt er das irgendwann, vermutlich weitgehend unbewusst, für bare Münze.

Beispiel Spiegel Artikel zum letzten Erguss von Nato-Generalsekretär Rasmussen. In diesem Fall entspricht:

  • A: Rasmussen appelliert an die Nato-Mitgliedstaaten, Ihre Rüstungsausgaben zu erhöhen. Ob das Quatsch ist oder nicht sei dahingestellt, es ist zweifellos ein Fakt, dass er es gesagt hat
  • B: Im gleichen Artikel steht, ohne jeden weiteren Zusammenhang, dass nach Aussage des deutschen Verfassungsschutzchefs die Bundesrepublik wegen der Ukraine-Krise besonders im Fokus russischer Geheimdienste stehe. Zwar handwerklich unsauber da ohne Quellenangabe (Interview im Tagesspiegel) aber ja, auch ein Fakt. Allerdings ohne jeden Zusammenhang zu A.
  • C: Was natürlich nicht genannt wird, ist die NSA-Spionageaffäre beziehungsweise die Tatsache, dass wir alle bei nahezu allem was wir tun munter weiter bespitzelt werden, was man meinem Gefühl nach am liebsten auf beiden Seiten des Atlantiks so schnell wie möglich unter den Teppich kehren würde. Die Ukraine-Krise bietet eine willkommene Ablenkung, durch die man sich auf Gemeinsamkeiten besinnen und auf die man den Fokus der obengenannten Nachrichtenkonsumenten/des Wahlviehs  lenken kann, bevor die vielleicht auf dumme beziehungsweise überhaupt mal eigenständige Gedanken kommen, und bei der nächsten Wahl ihr Kreuz nicht mehr gewohnheitsmäßig, sondern bewusst setzen.

Und das sollen wir schlucken? Das einzige Beruhigende ist, dass im SPON-Forum viele kritische Stimmen laut werden, was zumindest die Hoffnung weckt, dass noch nicht alle dumm, gleichgültig oder fatalistisch sind.

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3 Antworten zu So funktioniert Manipulation in den Medien

  1. Lisa Kerner schreibt:

    Ehrlich gesagt guck ich mir die „Nachrichten“ in den Öffentlich-Rechtlichen schon nicht mehr an, auch politische Talk-Shows wie mit Jauch, Illner und co. nicht mehr.
    Man hält den Bürger wirklich für politisch blöd á la „Bild“. Aber leider sind SPON u.a. nicht besser. Empfehlen kann man da nur noch den „Freitag“!
    Ich bin in der Lage, die ukrainischen Pro-Kiew-Medien (die Oligarchen gehören!), die russischen pro-und contra-Putin Medien, die deutschsprachigen wie Arte und 3sat zu lesen und zu analysieren und zwischen den Zeilen zu lesen, denn das haben wir damals in der DDR gelernt.
    Und ich kann nur sagen, die ukr. und dtsch.Medien singen ausschließlich das Lied der USA, und dessen „friedlichr Text“ ist ja weltweit bekannt!

  2. heikenachtigall schreibt:

    Und in Russland sind die Medien und deren Konsumenten eben andersrum manipuliert. Das Traurige ist, dass die Menschen immer noch doof genug sind, sich vor den Karren anderer spannen zu lassen, hier und überall sonst… Und alle denken, was sie denken sollen, nämlich „wir sind doch die Guten“… Ich hatte mal naiv gehofft, dass das Internet zwangsläufig ein neues Zeitalter der Aufklärung bringen wird… scheint wohl nicht ganz aufzugehen…

  3. curti schreibt:

    Sind die Leute bzw. das Wahlvolk mehrheitlich wirklich doof, merken die nix mehr, völlig sediert durch Blöd-TV und miesen Journalismus?

    Mir kommen da mittlerweile Zweifel. Sieht und hört man sich um, scheint es vielmehr so zu sein, daß durchaus ein Bewußtsein dafür vorhanden ist das einiges nicht stimmt, aber es interessiert nicht, siehe z.B. der glasklare Skandal NSA. Und wen schert es in der Bevölkerung?

    Eben, eine kleine Minderheit von Aktivisten. Das war´s, Mutti kann weitermachen und Pofalla wird „bestraft“ in Zielrichtung Bahnvorstand!

    Was mehrheitlich zählt ist der persönliche Bereich, der Rest interessiert nicht mehr, nach mir die Sintflut. Man kann auch sagen die „ICH AG“ in Vollendung!

    Ist das erst einmal in den Kopfen verankert, wird man dem mit „doof“ etc. nicht beikommen.

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